Geschichte der Woche: Musketier Ernst Schmidt


Diese Woche kommt unsere Geschichte von Heinz Stephan aus Ettlingen, dessen Onkel Ernst Schmidt als Musketier im Ersten Weltkrieg diente.

Musketier Ernst Schmidt

Ernst Schmidt wurde am 24. Juni 1884 in Karlsruhe geboren. Seine Eltern und seine Schwester Maria lebten in Ettlingen und sein Bruder Karl, der wegen seiner Arbeit vom Militärdienst befreit war, lebte in Norddeutschland.

Ernst diente im Reserve Infanterie Regiment Nr. 30, 1. Bataillon, 1. Kompanie. Dieses Regiment war der 15ten und 16. Reserve Division und der 25. Landwehr Division der deutschen Armee unterstellt und wurde nur an der Westfront eingesetzt. Das Regiment nahm auch an den Schlachten an der Somme und Aisne teil.

Heinz hat zwei Briefe von seinem Onkel. Der erste wurde am 10. Februar 1917 an seine Mutter und seine Schwester geschrieben. Er schreibt, dass er sich im vordersten Schützengraben, 50-60 Meter von den Franzosen entfernt, befindet. Er besetzte den Beobachtungsposten, bei dem er zwei Stunden stehen musste, danach war er für vier Stunden von diesem Posten befreit. Diese Routine wiederholte sich Tag und Nacht.

Ernsts Unterstand befand sich sieben Meter unter der Erde und er teilte sich diesen mit Ratten, Mäusen und Läusen. Es waren die Läuse, mit denen er am meisten Probleme hatte. Seit er in dem Unterstand lebte, war es ihm nicht möglich sich zu waschen oder seine Kleidung zu wechseln. Tatsächlich zog er nie seine Kleidung aus und fühlte sich deswegen extrem unwohl.

Der zweite Brief wurde am 5. März 1917 geschrieben. Ernst schreibt, dass er sich nicht länger in den Schützengräben befindet, sondern nun in einem Dorf einige Kilometer hinter der Front lebt.

Ernsts Einheit erwartet in der Nacht einen Angriff durch die Franzosen. Er hat keine Angst, schreibt er, weil Gott mit ihm ist.


Er sagt: „… ich habe keine Furcht und stehe hier um den Herd der Mütter, der Frau und der Geschwister zu schützen und Gott wird mit mir sein und mir Kämpfen helfen unter seinem Schutz kann mir nichts passieren. Es wäre schrecklich käme der Franzose durch er blieb dann unser mühsam aufgebautes Dasein."










Dieser Brief stammt vom 5. März 1917, es ist der letzte Brief den Ernst an seine Familie schrieb. Er starb im März 1917, vermutlich in der Nacht, in der die Franzosen angriffen.

Geschichte der Woche: Unteroffizier Johann Metzger


Die Geschichte dieser Woche kommt von Andrea Metzger-Adolf aus Ettlingen, deren Urgroßvater Johann Metzger im Ersten Weltkrieg als Unteroffizier diente.

Johann wurde am 19. November 1870 geboren. Er arbeitete als Gärtner für Großherzog Friedrich von Baden in Karlsruhe und wohnte in Ettlingen. Kurz vor Kriegsbeginn wurden er und seine Frau Elise die Wirtsleute des „Jagdhauses“ in Ettlingen, nahe dem damaligen Hotel „Wilhelmshöhe“.


Dieses Foto zeigt Johann, links, und seinen Sohn Franz in einem Bild voller symbolischer Zeichen.

Franz und Johann geben sich die Hand, eine gebräuchliche Geste zwischen Soldaten, die häufig auf Fotos und Bildern dieser Zeit als Zeichen für Frieden, Freundschaft und Herzlichkeit abgebildet wurde.

Im Jahr 1914 fühlte sich Deutschland von Frankreich und Russland, die zusammen mit England die Ententen-Mächte bildeten, eingekreist und bedroht. Die Deutschen sahen den Krieg zu großen Teilen als einen Defensiv-Krieg an, bei dem das höchste Ziel der Schutz der Heimat vor der Invasion der Feinde war.

Frauen und Kinder symbolisierten das Heimatland. Hier sehen wir Johanns Frau Elise, die Mutter von Franz, im Hintergrund zwischen den beiden Soldaten, während sie ihre Hand, in der sie möglicherweise einen Glücksbringer hält, ihrem Sohn entgegenstreckt.

Die Bildunterschrift „Wiedersehen“ dieses Fotos hat mehrere Bedeutungen. Auf der einen Seite steht es für einen Abschied auf ungewisse Dauer und auf der anderen Seite für eine Art Versprechen, den Krieg zu überleben und sich wieder zu sehen.  

Er überlebte den Krieg und kehrte nach Hause zurück.

Johann zu Beginn des Krieges als Musketier

Geschichte der Woche: Unteroffizier Franz Metzger


Unsere Geschichte dieser Woche kommt von Andrea Metzger-Adolf aus Ettlingen, deren Großvater Franz Metzger als Unteroffizier im Ersten Weltkrieg diente.

Franz wurde im Jahr 1898 geboren und meldete sich freiwillig kurz nach Kriegsausbruch am 6. August 1914 mit nur 16 Jahren zum Kriegsdienst.

Franz Metzger, 1914

Franz lebte mit seinen Eltern, Johann und Elise, die die Wirtsleute des „Jagdhauses“ in Ettlingen waren.

Er ließ sich zusammen mit seinem Vater, Johann, verpflichten, der zu diesem Zeitpunkt 44 Jahre alt war.

Franz wurde zuerst zur militärischen Ausbildung nach Döberitz nahe Berlin geschickt. Von dort sendete er das Foto, das auf der rechten Seite zu sehen ist, das erste Bild von ihm in seiner neuen Uniform. Während seiner Ausbildung wurde er dem Reserve Infanterie Regiment 211 zugewiesen, wie man auch durch die Aufschrift auf seinem Helm erkennen kann.

Auf der Rückseite des Fotos steht: „Ich sende euch mein Foto, aber es ist nicht sehr gut geworden. Habt ihr schon mein Paket verschickt? Falls nicht, sendet es bitte sobald wie möglich.“

Nach Beendigung der Ausbildung wurde Franz dem Infanterie-Regiment 27, 2. Maschinengewehrkompanie zugeteilt, die der 211. Infanterie Division und der 7ten Division unterstellt war. In den ersten zwei Jahren des Krieges diente Franz an der Westfront in Flandern und Artois, später auch an der Somme, an der Aisne, in der Champagne und bei Ailette.

Ihm wurden drei Medaillen verliehen: das Eiserne Kreuz II, die silberne Verdienst-Medaille und das Frontkämpfer-Ehrenkreuz.

Franz wurde am 10. Januar 1919 aus dem Dienst entlassen und konnte glücklicherweise ohne Verwundung nach Hause zurückkehren.

Franz auf Urlaub

Nach dem Krieg machte Franz eine Ausbildung zum Heizer und arbeitete in der Papierfabrik Vogel und Bernheimer in Ettlingen.

Er starb am 12. August 1979 in Ettlingen.


Franz ist auf diesem Bild zusammen mit seinem Vater Johann und seiner Schwester Marie zu sehen.